KI kann man kaufen. Vertrauen nicht.

Eine aktuelle Untersuchung der Universität St. Gallen zeigt, dass viele Unternehmen bei der Einführung von KI ein Problem haben, das mit der Technik wenig zu tun hat. Mitarbeiter fühlen sich überlastet, ihnen fehlt Orientierung, und die Führung funktioniert nicht immer so, wie sie sollte.

Die Einschätzung der Studie überrascht mich nicht. Wir reden viel darüber, was KI alles kann und wie viel Arbeit sie uns abnehmen wird. Dabei vergessen wir manchmal die Menschen, die künftig damit arbeiten sollen.

Wer seit vielen Jahren einen guten Job macht, wird sich fragen, was aus seiner Arbeit wird, wenn eine Maschine plötzlich einen Teil davon übernimmt. Wird meine Erfahrung noch gebraucht? Muss ich etwas völlig Neues lernen? Ist mein Arbeitsplatz sicher?

Das sind berechtigte Fragen. Und sie lassen sich nicht mit dem Hinweis beantworten, dass die neue Software nun einmal eingeführt wird.

Hier ist Führung gefragt. Die Mitarbeiter müssen wissen, warum sich etwas verändert, was das Unternehmen damit erreichen will und was das für ihre Arbeit bedeutet. Wo es noch keine Antworten gibt, sollte man das offen sagen.

Vor allem sollte man mit den Menschen reden, bevor die Entscheidungen gefallen sind. Denn die Mitarbeiter wissen oft selbst am besten, wo Abläufe verbessert werden können. Sie kennen die Probleme aus ihrer täglichen Arbeit. Dieses Wissen sollte man nutzen.

Mich stört an der KI-Debatte noch etwas anderes. Sehr schnell geht es darum, wie viele Arbeitsstunden eingespart werden können. Natürlich muss ein Unternehmen wirtschaftlich arbeiten. Aber warum denken wir nicht häufiger darüber nach, was mit der gewonnenen Zeit möglich wird?

Vielleicht kann ein Mitarbeiter endlich wieder mehr Zeit mit seinen Kunden verbringen. Vielleicht kann er Aufgaben übernehmen, für die bisher keine Zeit war. Oder er kann seine Erfahrung dort einsetzen, wo eine Maschine eben nicht weiterhilft.

Das ist für mich auch eine Frage des Menschenbildes. Die Christliche Soziallehre erinnert uns daran, dass der Mensch nicht nur ein Kostenfaktor ist. Er bringt seine Fähigkeiten ein, übernimmt Verantwortung und will mit seiner Arbeit etwas Sinnvolles leisten.

KI kann dabei helfen. Sie kann uns lästige Arbeiten abnehmen und Freiräume schaffen. Ob daraus etwas Gutes wird, hängt aber davon ab, was wir mit diesen Möglichkeiten anfangen.

Deshalb sollte am Anfang nicht die Frage stehen, welche KI wir kaufen. Zuerst müssen wir wissen, was wir verbessern wollen und wie wir die Mitarbeiter dabei mitnehmen.

Die Technik kann man kaufen. Das Vertrauen der Menschen muss man sich erarbeiten.