Dieser Leuchtturm leuchtet hell

Es gibt Veranstaltungen, von denen man mit einem guten Gefühl nach Hause fährt. Und manchmal merkt man erst auf der Heimfahrt, warum.

Mir ging es an diesem Wochenende nach der Bundestagung des Bundes Katholischer Unternehmer in Düsseldorf so.

Da war etwas zu spüren, was Verbände dringend brauchen: Lust auf Zukunft. Menschen, die miteinander diskutieren, sich einmischen und Verantwortung übernehmen wollen. Ein Verband, der nicht in erster Linie darüber redet, was früher einmal war, sondern darüber, was morgen sein soll.

„Deutschland neu erfinden“ hieß das durchaus selbstbewusste Motto. Gesprochen wurde über Wachstum, die Veränderungen in der Arbeitswelt, Künstliche Intelligenz, Resilienz, Steuern, Energiewende und Unternehmensnachfolge. 2026-bundestagung-flyer-web

Also nicht gerade über Nischenthemen.

Und irgendwann musste ich an zwei Bücher denken, die ich vor einigen Jahren geschrieben habe.

Das eine hieß „Leuchtturm oder Kerzenstummel?“ Darin ging es um die Zukunft katholischer Verbände. Hinter dem etwas provokanten Titel stand eine Frage, die mich bis heute beschäftigt:

Was muss ein Verband tun, damit er noch gebraucht wird?

Für mich war schon damals klar: Seine Existenz allein begründet noch keine Relevanz. Auch eine große Geschichte tut das nicht. Ein Verband muss Menschen zusammenbringen, Orientierung geben und etwas zu den Fragen zu sagen haben, die diese Menschen und die Gesellschaft beschäftigen.

Mein zweites Buch „Soziallehre 4.0“ beschäftigte sich mit einer ganz ähnlichen Frage: Welche Bedeutung hat die Katholische Soziallehre noch in einer Welt, die sich rasant verändert?

Meine Antwort darauf hat sich nicht geändert.

Eine ganze Menge.

Menschenwürde, Personalität, Solidarität, Subsidiarität und Gemeinwohl haben kein Verfallsdatum. Aber es reicht eben nicht, diese Begriffe bei passenden Gelegenheiten aufzuzählen.

Sie müssen ins Heute übersetzt werden.

Was bedeutet Menschenwürde, wenn Künstliche Intelligenz immer mehr Entscheidungen vorbereitet oder sogar übernimmt? Was bedeutet Solidarität zwischen den Generationen? Was heißt unternehmerische Verantwortung, wenn wirtschaftlich schwierige Entscheidungen getroffen werden müssen? Wie viel Verantwortung soll der Staat übernehmen – und was können Menschen, Familien, Unternehmen und gesellschaftliche Gruppen selbst besser regeln?

Das sind für mich Fragen der Katholischen Soziallehre im Jahr 2026.

Und genau deshalb gefällt mir für die Rolle des BKU ein Begriff besonders gut:

Transformator.

Ein Transformator erzeugt die Energie nicht selbst. Er sorgt dafür, dass sie in einer Form ankommt, in der sie genutzt werden kann.

Die Katholische Soziallehre muss auch niemand neu erfinden. Aber jemand muss ihre Grundsätze in die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Debatten unserer Zeit übersetzen.

In Düsseldorf konnte man erleben, wie das aussehen kann. Da ging es um junge Menschen und ihre Erwartungen an die Arbeitswelt, um Resilienz und Künstliche Intelligenz. Um unternehmerische Verantwortung, Steuergerechtigkeit, Energiewende und Unternehmensnachfolge. 2

Dabei muss nicht auf jedem Podium groß „Katholische Soziallehre“ stehen.

Man sollte aber merken, woher der Kompass kommt.

Vielleicht ist das für mich sogar die wichtigste Erkenntnis dieses Wochenendes.

Katholische Soziallehre lebt nicht dadurch, dass wir sie bewahren. Sie lebt dadurch, dass Menschen mit ihr arbeiten.

Und offenbar erreicht der BKU damit wieder mehr Menschen. Erstmals seit Jahren wächst die Mitgliederzahl wieder – gegen einen Trend, mit dem viele traditionelle Verbände zu kämpfen haben.

Das finde ich bemerkenswert.

Denn heute tritt kaum noch jemand einem Verband bei, weil man das eben so macht. Menschen wollen wissen, was ihnen eine Gemeinschaft bringt, wofür sie steht und ob sie dort etwas bewegen können.

Damit bin ich wieder bei meinem alten Bild.

Leuchtturm oder Kerzenstummel?

Ein Leuchtturm hat schließlich nicht die Aufgabe, sich selbst zu beleuchten. Sein Licht muss hinaus. Es muss wahrgenommen werden und Orientierung geben.

Genau darin liegt für mich die Chance des BKU.

Die Katholische Soziallehre hat die Kraft, Orientierung für viele der großen Fragen unserer Zeit zu geben. Aber dafür braucht sie Menschen und Organisationen, die sie aus den Büchern und Grundsatzpapieren herausholen und ins wirkliche Leben übersetzen.

Nach diesem Wochenende in Düsseldorf habe ich den Eindruck:

Der Leuchtturm BKU leuchtet wieder heller.

Meine Leitplanke

Tradition allein schafft keine Relevanz. Entscheidend ist, ob aus unseren Werten Antworten für das Heute werden.

Und vielleicht ist genau das die Aufgabe eines Verbandes, der sich auf die Katholische Soziallehre beruft: nicht die Vergangenheit zu verwalten, sondern aus einem starken Fundament heraus Zukunft mitzugestalten.